Liste von 2 Artikeln vom 30.04.1993 bis 29.03.1994

Thema » FBZ / ZGS·14 / Bunker Fuchsbau » Schließung durch Bundeswehr

#2 » Meteorologen verlassen als erste "sinkendes Schiff" × Spree·Journal vom 29.03.1994

Erste Bundeswehr-Abteilung verlässt morgen den "Fuchsbau" / unterirdischer Bunker am Jahresende leer / Entsorgung kostet Millionen

Fürstenwalde. Punkt 12 Uhr gehen morgen im Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr die Lampen und die Computer aus. Damit schließt die erste Abteilung im "Fuchsbau" ihre Pforten - das Radarführungskommando 2 samt Luftwaffenkaserne ist im Begriff auszuziehen.

Im Bunker befindet sich dann nur noch der Gefechtsstand des Luftverteidigungssektors V. Wenn die letzten GUS-Truppen zum Jahresende Deutschland verlassen, erübrigt sich auch dessen Arbeit: die Überwachung des ostdeutschen Luftraumes von Fürstenwalde aus.

Alle 13 Mitarbeiter der Geophysikalischen Beratungsstelle werden von der Bundeswehr übernommen. Ein Teil geht nach Münster, um dort eine Beratungsstelle für den weltweiten Lufttransport der Bundeswehr aufzubauen, der andere Teil kommt in Berlin-Diepensee unter, wo sich eine Außenstelle des Bundesministeriums der Flugbereitschaft befindet. Diplom-Meteorologe Klaus-Peter Alker, Leiter des regionalen Beratungsdienstes, bedauert die Schließung in Fürstenwalde. Alle militärischen Einrichtungen der neuen Bundesländer, einschließlich der SAR-Rettungsdienst in Bad Saarow und Erfurt bekamen bis jetzt die Wetterinformationen von den Meteorologen aus dem "Fuchsbau". Meteorologische Daten seien hier gepaart mit regionalen Kenntnissen an die Empfänger gegeben worden. Ab Mittwoch müssen die sich ihre Informationen aus Berlin-Diepensee und am Wochenende aus Traben-Trabach an der Mosel holen, berichtet Klaus-Peter Alker, der nach acht Jahren Arbeit in Fürstenwalde nach Münster umziehen muß.

Seine jetzige Arbeitsstelle, der unterirdische Bunker, wird voraussichtlich im nächsten Jahr dem Erdboden gleichgemacht. Nach Insiderinformationen wird die Entsorgung Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachen. Für einen privaten Betreiber wäre das Objekt wegen der hohen Unterhaltungskosten, z.B. für die Klimaanlage, nicht bezahlbar.

Was aus dem gesamten Militärobjekt mit Verwaltungsgebäuden, Garagen, Kaserne, Gaststätte und Saal, in deren Erhaltung seit der Wende 12 Millionen DM flossen, geschieht, weiß heute noch keiner. "Wenn Fürstenwalde Kreisstadt geworden wäre, wäre das Objekt ideal zur Einrichtung einer Kreisverwaltung gewesen", denkt Klaus-Peter Alker.

#1 » Wettermacher sitzen tief im dunklen Bunker × Spree·Journal vom 30.04.1993

Zukunft der Wetterwarte mit Auflösung des Objekts noch unklar

Fürstenwalde. Versteckspielen gehörte zu den "guten" DDR-Gepflogenheiten, und die NVA war Meister darin. Selbst heute weiß kaum ein Fürstenwalder von den "Wetterfröschen" im Fuchsbau, dem sogenannten jetzigen Bundeswehrbunker. Aus der ehemalgigen Zentralen Flugwetterwarte der NVA wurde inzwischen die Regionale Beratungszentrale Fürstenwalde des geophysikalischen Beratungsdienstes der Bundeswehr.

Doch hinter dieser Bandwurmbezeichnung verbergen sich im Prinzip keine anderen Aufgaben als früher: im ununterbrochenen Dienst, 24 Stunden am Tag uns sieben Tage in der Woche, ist die Wetterwarte bereit, an alle militärsichen Einrichtungen der Bundeswehr Auskünfte über das zu erwartende Wetter zu erteilen.

Sie erarbeitet die Wettervorhersagen für den gesamten Luftraum Ostdeutschlands, warnt vor gefährlichen Wettererscheinungen, die Menschen oder Technik bedrohen könnten.

Dazu gehören Warnungen vor Wind, Sturm und Orkan ab etwa 70 km/h, vor Gewittern mit Sturmböen, Glatteis, Frost - wenn die Temperatur um zehn Grad in den Minusbereich hineinfällt, Hagelschlag, Hitze, Schwüle - um die Soldaten physisch nicht zu hoch zu belasten - und vor Schnee, wenn innerhalb von zwölf Stunden mehr als 10 cm fallen - dann gibt's Probleme mit der Beräumung von Fluplätzen.

Jeden Morgen, bei schlechtem Wetter auch mehrmals täglich, gibt die Warte ihre Wetterauskunft an die SAR-Leitstelle - Suchen und Retten - Fürstenwalde, die für die fünf neuen Bundesländer zuständig ist. Danach richten sich die Einsatzentscheidungen für die Rettungshubschrauber.

Verantwortlich ist die Warte für die Beratung des Fürstenwalder Gefechststabes vom Luftverteidigungssektor 5. Die Wetterprognose fließt ein in die Sicherung der Lufthoheit über den fünf neuen Ländern. Beraten wird auch das Kommando der 5. Luftwaffendivision in allen Planungfragen, die mit dem Wetter zu tun haben.

Zwar erarbeiten die Fuchsbau-Meteorologen die Prognosen, doch sie erfassen keine Wetterdaten selbst. Hier werden keine Niederschlagsmengen erfaßt, steigt keine Quecksilbersäule, um die Temperaturen zu messen. Die Daten für Fürstenwalde kommen aus Lindenberg, einer Dienststelle des Deutschen Wetterdienstes. "Eine große Dichte an Wetterbeobachtungsstationen ergäbe kein wesentlich differenzierteres Bild, deshalb greifen wir auf Lindenberger Daten zurück", meint der Leiter der Wetterwarte, Klaus-Peter Alker, der seit 1986 im Fuchsbau Dienst tut.

Modernste Technik stehen ihm und seinen zwölf Kollegen zur Verfügung. Funkempfänger nehmen die Daten auf. Der Geosatellit MedeoSat liefert von seinem Standort 36000 km über dem Äquator Satellitenkurzfilme, die sich aus 14 Bildern zusammensetzen. Sie sind zum Beispiel wichtig, um die Bildung von Gewittern festzustellen.

Obwohl eine militärische Einrichtung, sind sämtliche Mitarbeiter der Wetterwarte Zivilisten. Dennoch ist ihr Schicksal verknüpft mit der Zukunft des Bundeswehrobjektes. Fest steht, daß es im Zuge der Abrüstung in wenigen Jahren aufgelöst wird und andere Dienststellen die Aufgaben übernehmen.

Völlig unklar ist noch die Zukunft der Wetterwarte. Zwar sichert die Bundeswehr den Wetterfröschen Weiterbeschäftigung zu, aber wo das sein wird, steht noch in den Sternen. So teilen sie das Schicksal eines jeden Soldaten, für den ein Wechsel des Standortes schon fast zu den Alltäglichkeiten gehört.